Anfang 1952 konnte durch das Angebot von Herrn Michl ein 10 m auf 5 m großer Anteil der ehemaligen Wehrmachtsbaracke in der Mähringerstraße zu einem monatlichen Mietpreis von 20,00 DM angemietet werden. So konnte nach einem viel versprechenden Anfang die Werkstätte in Wiesau wieder aufgegeben werden _ es kamen auch immer weniger zu den Werkstattabenden - und nach Tirschenreuth, wo bereits der Bau des Leitwerks in Angriff genommen worden war, umgesiedelt werden. Werkbank, Werkzeug und Baumaterial wurde nach Tirschenreuth verbracht und mit ungebrochener Begeisterung wurde weiter gebaut.

Am 1. Februar 1952 erfolgte der Beitritt zum Luftsportverband Bayern im Deutschen Aeroclub. In diesem Jahr, während der Hauptversammlung am 24. Mai 1952, wieder im Bahnhofhotel, wurde der Mitgliederbeitrag auf 1,50 DM erhöht.

Am 1. Mai 1953 war der Mitgliederstand des Vereins 73 Aktive und 24 Passive Mitglieder. Der Bau des Segelflugzeugs schritt langsam voran. Die Werkstatt und die Einrichtung waren mangelhaft, es fehlten echte Facharbeiter und der 1. Vorsitzende musste auch die zurückgehende Aktivität der Mitglieder ansprechen. Doch etwa ein Dutzend, der „Harte Kern" der aktiven Mitglieder leistete ständig Werkstattarbeit und ließ sich durch nichts bremsen.

Doch es reichte einfach nicht. 1954 wurde es immer klarer und man musste einsehen, dass die Mü 13 E so nicht fertiggestellt werden konnte. Zunächst mussten im März bei der Firma Flugzeugbau Burglengenfeld, vertreten durch Herrn Dahmen, ein Satz Hauptholme und ein Satz Querruder bestellt werden. So sah man wieder Licht am Horizont. Während des Winters wurde sogar in drei Baugruppen in den Büroräumen des Notariats, auf den Schreibtischen, des Notariats an den Rippen der Mü 13 E gebaut.

In dieser Zeit gab es auch eine Modellbaugruppe im Verein. Sie zählte 16 Mitglieder. Von ihr wurden an 12 Samstagen ca. 60 Baustunden geleistet und 7 Modelle flugfertig erstellt. Am 24. April 1954 erfolgte der Umzug der Werkstatt aus der Baracke in der Mährigerstraße in ein Nebengebäude des alten Kreiskrankenhauses an der Mühlbühlstraße. Dieser Gebäudeteil wurde zuvorkommender Weise von der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellt.

Während der Jahreshauptversammlung am 29. Mai 1954 im Bahnhofhotel waren 22 Mitglieder anwesend. Die Mitgliederzahl betrug damals 83(46 Aktive und 37 Passive).

Die damals noch jährliche Wahl der Vorstandschaft ergab folgendes Ergebnis:

 

1. Vorsitzender Dr. Ferdinand Nickl
2. Vorsitzender Karl Schöner
Schriftführer Hanns Riedl
Kassier Martin Hellmich
Techn. Leiter Michael Häring
Jugendleiter Albert Schenkl



Nach über 3-jähriger Bauzeit, unter größten finanziellen wie persönlichen Opfern, mussten die ständig Aktiven wiederum feststellen: So schaffen wir es nicht.

Der Kern der "Alten" bildete einen Krisenstab. Eine Lösung wurde gefunden. Die Mitglieder zahlten freiwillig 5,00 DM bis 10,00 DM pro Monat. Diese finanzielle Zuwendung war ausreichend, stellte jedoch eine wirklich persönliche Einschränkung jedes einzelnen Spenders dar.

Am 16. Februar 1955 wurden folgende Beschlüsse durch die Vorstandschaft gefasst:

Das Rumpfgerüst sowie die Anschlussbeschläge für die Mü 13 E sollen zwecks Vornahme sämtlicher Einbauten zur Firma Flugzeugbau Burglengenfeld gebracht werden. Der Kostenvoranschlag hierfür betrug 1400 bis 1500 DM.

Gleichzeitig sollen Holme, Querruder, Leitwerkbeschläge, Höhen- und Seitenleitwerk sowie sämtliche Rippen zur vorgenannten Firma nach Burglengenfeld gebracht werden zwecks Fertigstellung der Flächen etc.

Vor Vergabe dieser Arbeit soll aber ein Kostenvoranschlag eingeholt werden. Dieser Kostenvoranschlag soll durch die Firma gemacht werden, nachdem diese sämtliches vorhandenes Material geprüft hatte. Ebenso soll ein Kostenvoranschlag für die Bespannung der Maschine und die Verglasung der Kabine eingeholt werden.

In der Vorstandssitzung am 21. März 1955 wurde beschlossen, dass entsprechend dem Angebot der Firma Flugzeugbau Burglengenfeld vom 17. März 1955 für die Fertigstellung unseres Segelflugzeuges vom Muster "Mü 13 E - Bergfalke I" nunmehr die Auftragserteilung erfolgen soll.

Mit Herrn Dahmen von der Firma Flugzeugbau soll aber trotzdem nochmal verhandelt werden und versucht werden, den Preis doch noch etwas herabzusetzen.

Die Finanzierung soll durch Spenden und eventuell durch Aufnahme eines Bankkredites erfolgen.

Die Zahl der Mitglieder betrug am 1. Mai 1955 71. 44 davon waren aktiv, 27 passiv. An der letzten Jahreshauptversammlung vor Aufnahme des Flugbetriebs nahmen 27 Mitglieder teil. Es war Samstag, der 11. Juni 1955.

Der 1. Vorsitzende, Dr. Ferdinand Nickl gab bekannt:

Infolge des Abbruchs des Nebengebäudes beim alten Krankenhaus ging dem Club die Werkstatt verloren. Werkzeug und Inventar konnten vorübergehend in einem Raum der Luitpoldschule gelagert werden. Es durfte aber kein Werkstattbetrieb stattfinden. Der Bürgermeister Ruffing und der Stadtrat unterstützten den Verein aber im Bestreben, wieder einen Raum in der Luitpoldschule zu finden.

Der Leistungssegler vom Typ "Mü 13 E - Bergfalke I" wird laut Mitteilung der Firma Flugzeugbau Burglengenfeld noch im Juni fertiggestellt, so daß der Flugbetrieb in absehbarer Zeit aufgenommen werden kann.

Jedoch nahmen die Finanzierungsschwierigkeiten kein Ende. Man hatte mit etwa 3000,00 DM Fertigstellungskosten gerechnet. Der Kostenvoranschlag der Firma belief sich aber auf 6.600,00 DM.

Eine durch den 1. und 2. Vorsitzenden durchgeführte Spendenaktion bei Geschäften und Privaten des Stiftlandes erbrachte einen ansehnlichen Betrag. So konnte die Bezahlung in Verbindung mit der freiwilligen Sonderzahlung der Mitglieder erfolgen.

Der Verein aber hatte noch keinen Platz zum Fliegen, keine Winde, keinen Fluglehrer und auch keinen Hänger zum Transport der "Mü 13 E".

So wurde am 17. Juli 1955 mit dem Aero-Club Weiden eine Fluggemeinschaft auf dem Flugplatz in Mallersricht/Meierhof begründet.

Mü 13 E, D - 1290 und die glücklichen Piloten.

 

Robert Lochner führte seinen ersten Start auf Mü 13 E, D - 1290, auch an diesem Tag in Mallersricht durch. Er war bereits seit dem April 1953 im Besitz des Luftfahrerscheins Klasse I für Einsitzer.

Die Gebrüder Lindner aus Schönhaid bauten in ihrer Werkstatt einen Hänger und damit wurde das fabrikneue Segelflugzeug - der ganze Stolz der Tirschenreuther Segelflieger - nach Weiden gebracht. Jedes Wochenende wurde nun mit dem Motorrad, zum Teil mit dem Fahrrad, Autos standen nur 2 bis 3 zur Verfügung, zum Fliegen nach Weiden gefahren.

Schon vorher, am 25. Mai 1955, hatte Karl Ziegler nach einem Lehrgang an der Segelfliegerschule Burg Feuerstein, zu der er mangels eines PKW mit dem Fahrrad fuhr, die B-Prüfung geflogen.

Fluglehrer Heinz Dimpl von den Weidner Segelfliegern war der wichtigste Mann. 50 Doppelsitzerstarts täglich waren normal. Dazwischen Bauernadlerstarts. So wurde der Schulgleiter 38 der Weidener Flieger, ein einsitziges Gleitflugzeug der Vorkriegszeit, bezeichnet. Es wurde abwechselnd geflogen. Einmal ein Kamerad aus Weiden, dann wieder ein Tirschenreuther. Herrlich, es wurde endlich wieder geflogen.

Doch bereits am Abend des ersten Flugtages passierte das Unfassbare. Die Maschine ging zu Bruch. Der Schaden belief sich auf 2.500,00 DM. Die Reparatur musste wieder bei der Firma Flugzeugbau Burglengenfeld in Auftrag gegeben werden. Man war buchstäblich am Boden zerstört. Wie sollte es denn nun weitergehen? Nun, der freiwillige Sonderbeitrag der Mitglieder ging weiter und nach vier Wochen Bodendienst wurde wieder geflogen.

Der Start kostete damals 2,00 DM. Für Jugendliche 1,00 DM. Alle waren schon zufrieden, wenn sie 1 bis 2 Starts pro Wochenende, meist (nur) Platzrunden, fliegen durften.

Im Jahr 1955 wurden 396 Starts mit 31 Stunden und 34 Minuten Flugzeit durchgeführt. Der letzte Flugtag des Jahres war der 13. November.